Hilfe für Rumäniens Streuner

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Limmattaler Tierärzte wollen gemeinsam das grausame Töten von Strassenhunden in Rumänien bekämpfen. Und zwar nicht nur mit finanzieller Unterstützung und Medikamenten, sondern auch mit persönlichen Einsätzen vor Ort. von Maika Schelb und Bettina Hamilton-Irvine
In Rumänien ist das Töten von Strassenhunden erlaubt
In Rumänien ist das Töten von Strassenhunden erlaubt
Quelle: Zur Verfuegung gestellt

Das haben die Ärzte des Tierärztlichen Notfalldienstes Zürich West und Limmattal an ihrer letzten Sitzung einstimmig beschlossen.

Kein Geld für Medikamente

Das Töten von Strassenhunden wurde in Rumänien durch das Verfassungsgericht gutgeheissen. Nachdem laut Medienberichten Anfang September 2013 ein Vierjähriger von einem Strassenhund totgebissen wurde, führte Präsident Traian Basescu eine neue Regelung ein: Tierheime müssen die streunenden Hunde nun nur noch 14 Tage aufnehmen und pflegen. Danach dürfen sie getötet werden, wenn bis dahin noch kein neuer Besitzer für das Tier gefunden wurde – selbst wenn die Hunde gesund sind.

Rumänien weiss nicht, wohin mit all den Strassenhunden. Es sei klar, dass etwas gegen das Problem unternommen werden müsse, sagt der Dietiker Bezirkstierarzt Josef Zihlmann. Aber dies müsse durch Kastration oder das Einschläfern von alten und kranken Tieren geschehen. «Sie müssen in Würde sterben können», sagt Josef Zihlmann.

Heute ist das nicht gewährleistet. Stattdessen werde das Problem auf höchst fragwürdige Art und Weise gelöst, sagt Silvia Zihlmann, Ehefrau des Bezirkstierarztes und engagierte Tierschützerin. «Die Hunde werden nicht eingeschläfert, sondern auf brutalste Weise abgeschlachtet», sagt sie. Medikamente, um die Tiere einzuschläfern oder zu kastrieren, seien in Rumänien kaum vorhanden.

60 Euro pro gehäuteten Hund

Die Hunde würden mit Schlingen eingefangen und in Tierheime gebracht, erzählt Silvia Zihlmann. Ein rumänischer Fernsehsender habe gar bekannt gegeben, dass er für jeden lebendig gehäuteten Hund 60 Euro bezahle. «Natürlich gibt es auch viele Tierfreunde in Rumänien, die gegen das grausame Geschehen protestieren und Tiere adoptieren», sagt Silvia Zihlmann. «Jedoch sind sie hilflos und verzweifelt.»

Die Situation, die sie als «absolut inakzeptabel» bezeichnen, hat die Limmattaler Tierärzte derart empört, dass sie sich nun zur aktiven Unterstützung ihrer Berufskollegen vor Ort in Rumänien entschlossen haben. Um sicher zu sein, dass Medikamente und Spendengelder wirklich ankommen, werden sie diese bei ihren persönlichen Einsätzen selber vorbeibringen oder von Tierarzt zu Tierarzt schicken.

Appell an alle Tierärzte

Doch der Tierärztliche Notfalldienst, dem Ärzte aus dem Limmattal, aus Zürich und Regensdorf angehören, ruft auch alle anderen Tierärzte dazu auf, sich mit persönlichem Engagement an ihrer Aktion zu beteiligen. Über die Zustände in Rumänien wird laut Silvia Zihlmann viel zu wenig berichtet. «Unsere ethische Grundhaltung verbietet es uns, darüber hinwegzusehen», sagt sie. «Wir müssen uns dagegen wehren.»

Für Josef Zihlmann ist das Engagement in Rumänien nicht neu: Er begleitet schon seit über 20 Jahren ein Tierschutz-Projekt in Rumänien. Durch die Arbeit vor Ort konnte er Kontakte zu rumänischen Tierschützern und Tierärzten knüpfen und gelangte so auch an Informationen über das aktuelle Geschehen.
(az Limmattaler Zeitung)











Tierschützer bitten um Hilfe für rumänische Hunde
RWi | 01.10.2013
Tierschützer haben es oft schwer. Vor allem in Rumänien ist die Lage zur Zeit katastrophal, tausende von Hunden sind dort aktuell von barbarischen Tötungsaktionen betroffen. Für Marcel Schorn aus Oberöfflingen Grund genug zu handeln. Gemeinsam mit Rainer Kordel vom Eifeltierheim sammelt er Spenden, um sie zur »Tierhilfe Hoffnung« nach Tübingen zu bringen. Der Verein betreibt in Rumänien ein Rettungsprojekt - das mit rund 4000 Hunden größte Tierheim der Welt.

Marcel Schorn ist ein Mann der Tat. Vor allem, wenn es um Tiere geht, zögert er nicht lange. Als er von den schlimmen Zuständen hörte, unter denen Straßenhunde in Rumänien leben, nahm er sich spontan vor, zu helfen. Besonders ein erst kürzlich verabschiedetes Gesetz, dass Hunde nach zwei Wochen im Tierheim getötet werden dürfen, ließ ihn nicht ruhen. Gemeinsam mit dem Leiter des Altricher Tierheims, Rainer Kordel, hat der Malermeister die Tierfutter-Firmen Vet-Concept aus Föhren und Herbac aus Thalfang bereits für das Projekt gewinnen können. Benötigt werden aber auch private Spenden.

Die »Tierhilfe Hoffnung« www.tierhilfe-hoffnung.de hat dazu eine Liste aufgestellt. Da der Malerbetrieb von Marcel Schorn im ganzen Kreisgebiet unterwegs ist, können die Sachspenden vor Ort auch abgeholt werden.

Benötigt werden für die Hunde: Trocken- und Nassfutter, Welpenmilchpulver, Haferflocken, Reisschleim, Kauknochen, Leckerlis, Hundeliegekörbe aus Plastik, Kinderlaufställe für die Welpen, Schwermaschinen, Pampers für die behinderten Hunde, Transportboxen, Hundeshampoo, Flohshampoo, Warmlichtlampen, Flohkämme.

für den Erhalt des Tierheims: Decken, Handtücher, Bettwäsche und Krankenunterlagen, Inkontinenzunterlagen, Werkzeuge, auch elektrisch wie Bohr- oder Schleifmaschinen, Motorsägen, Dampfstrahlgeräte, Kompressoren. Dringend benötigt wird ein Presslufthammer. Kabelbinder, Spanngurte, Gepäckspanner, Metall- und Holzschutzlacke, Putzmittel, einen Fahrzeuganhänger, Hobelspäne als Einstreu für die kalte Jahreszeit, reißfeste Müllsäcke, Kehrgarnituren.

für die Tierpfleger und ihre Familien: Arbeitskleidung, Gummistiefel, Regenjacken, Arbeitshandschuhe, Medikamente, Desinfektionsmittel und Verbandszeug, etc.

Wer spenden möchte, kann dies tun auf das Konto des Fördervereins Tierheim Altrich, Sparkasse Mittelmosel Kontonummer: 32 129 520 | Bankleitzahl: 587 512 3. Wer Sachspenden hat, kann sich bei Rainer Kordel im Eifeltierheim melden, Telefon 0 65 71 / 9 55 21 21.

VIER PFOTEN fordert von Rumänien verantwortliches Handeln und Alternativen zu Massentötungen.
Anlässlich einer Tierschutzdebatte der „Intergroup on the welfare & conservation of animals“ im Europäischen Parlament in Brüssel sagte EU-Gesundheitskommissar Dr. Tonio Borg, die EU Kommission habe bezüglich der Streunerhunde in Rumänien zwar keine rechtliche Zuständigkeit, sie könne und werde jedoch die Mitgliedstaaten dazu ermahnen, die einschlägigen internationalen Abkommen zu befolgen, insbesondere die Richtlinien der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) in ihrem Gesundheitskodex für Landtiere, in dem Euthanasie (im Sinne von Tötung auch gesunder Hunde) eine Methode ist, die nur dann angewendet werden soll, wenn andere Methoden keine Wirkung zeigen.
„VIER PFOTEN begrüsst diese Position der EU Kommission, die jenseits der formalrechtlichen Frage damit ihre politische Rolle als Hüterin der Verträge wahrnimmt“, betont Dr. Marlene Wartenberg, Leiterin des VIER PFOTEN Europabüros Brüssel. Rumänien steht damit politisch unter Druck, denn es ist Mitglied der OIE und hat sich mit deren Richtlinien einverstanden erklärt, die eine Hierarchie der Methoden enthält. “Rumänien muss nun klar zu erkennen geben, dass eine nachhaltige Lösung für ein gutes Zusammenleben der Bevölkerung mit Streunerhunden angestrebt wird“, sagt Gabriel Paun, Kampagnenleiter bei VIER PFOTEN. „Ein blosses Tötungsgesetz ist nicht vereinbar mit den internationalen Bestimmungen. Die bisherigen Ansätze alternativer Methoden sind nicht ausreichend, nicht koordiniert und damit wirkungslos. Es ist Zeit, dass die rumänischen Behörden Verantwortung übernehmen und flächendeckend Kastrationsprogramme durchführen, die Kennzeichnung und Registrierung aller Hunde vornimmt und die Implementierung von Adoptionskampagnen durchsetzt.“
VIER PFOTEN hatte sich am 17. September über den rumänischen Volksanwalt an den Verfassungsgerichtshof gewandt, um die Massentötung von Streunerhunden zu verhindern, bevor der Staatspräsident das Gesetz dazu unterzeichnen kann. 30 Abgeordnete des rumänischen Parlaments haben ebenfalls das Gesetz angefochten. Am 25. September wird die Gesetzesnovelle beim Verfassungsgericht verhandelt. So lange kann sie keine Rechtskraft erlangen.
VIER PFOTEN ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Wien. Die 1988 von Heli Dungler gegründete Organisation setzt sich mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten für den Tierschutz ein. Grundlagen dafür sind wissenschaftliche Expertise, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunde- und katzen, Labor-, Nutz-, Wild- und Haustiere sowie auf Bären, Grosskatzen und Orang-Utans aus nicht artgemässer Haltung. Mit Niederlassungen in Österreich, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Grossbritannien, Niederlande, Rumänien, Schweiz, Südafrika, Ungarn und den USA sorgt VIER PFOTEN für rasche und direkte Hilfe für Tiere in Not. 2013 feiert die Organisation ihr 25-jähriges Jubiläum.


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